Timor Leste – Warum sich eine Reise lohnt

Wie fängt ein perfekter Tag in unserem Tauchurlaub an? An einem wunderschönen und abgelegenen Ort der Welt klingelt morgens um 6 Uhr der Wecker, wir sind müde und es ist noch dunkel draußen, aber das stört uns nicht. Um 7 Uhr ist Pick-Up und mit unserem vom Vortag aufbereiteten Tauchgedöns geht es Richtung Osten. Die Sonne ist bereits aufgegangen und während wir den Hafen der Hauptstadt erreichen, genießen wir den Anblick der Jesus Statue und der drum herumliegenden Landschaft. Die Hauptstadt heißt Dili und wir befinden uns noch im recht unerschlossenem Tauchparadies namens Timor Leste, oder auf Deutsch Ost Timor.

Was hat uns hierher verschlagen? Vorweg gesagt, eine Reise nach Timor Leste ist was für Abenteuerlustige. Im Vergleich zum benachbarten Indonesien fehlt es an Infrastruktur und ist nicht zuletzt aufgrund der wenigen Anschlussflüge relativ teuer. Die Locals verbringen ihr Alltagsleben in einem ruhigen Rhythmus, während das Land seine Erholung vom Krieg und seinen Unabhängigkeitskampf fortsetzt. Für den deutschen Touristen empfiehlt es sich daher die typische Pünktlichkeitsmentalität von Tag Eins abzulegen, sonst wird die Entspannung gebremst. Und wer bereit ist ein wenig Zeit zu investieren und am besten ein Haufen Geduld mitzubringen, ja, der könnte mit eines der großartigsten und vor allem größten Unterwasserbegegnungen belohnt werden. Aber dazu später mehr. Bevor wir die Unterwasserwelten Dillis und den Hauptakteur unseres Urlaubs kennenlernten, verschlug es uns für 10 Tage auf die benachbarten Insel Atauro Island. Eigentlich waren sogar 12 Tage geplant, aber zweimal hintereinander hat der Bootstransfer nicht funktioniert (Stichwort: keep calm and deal with it).

Bereits bei der Planung für unseren Atauro Aufenthalt wurde deutlich, dass wir auf eine Toilette mit Spülung wahrscheinlich verzichten müssen (Stichwort: Abenteuerlust). Die Insel hat eine sehr überschaubare Anzahl an Unterkünften sowie die Möglichkeit an Homestays bei Locals. Als Unterkunft mit dazugehöriger Tauchbasis haben wir uns für das Atauro Dive Resort entschieden, welches für die Verhältnisse recht komfortable Bungalows enthält. Die drei Premium Bungalows, von denen wir glücklicherweise eins bewohnten, haben eine separate, richtige Dusche. Die anderen Bungalows dagegen haben Gemeinschaftsduschen, die eher aus einem Becken und einem Kübel bestehen (und wieder mal Stichwort: Abenteuerlust). Nachdem wir uns recht schnell den Gegebenheiten angepasst hatten, merkten wir schnell was für ein kleines Paradies diese Insel doch ist. Mit der kleinen Anzahl an Gästen fühlte sich das Resort richtig familiär an, nicht zuletzt, weil nur Taucher vor Ort waren. Was bringt einen Taucher ausgerechnet an diesen Ort? Die Riffe Atauros zählen mit ihren über 600 Meereslebewesen offiziell zu den artenreichsten Riffen der Welt. So profitieren sie letztlich auch von der Tatsache, dass diese zum Naturschutzgebiet erklärt und das Fischen dort offiziell untersagt wurde. Von dieser Vielfalt wollten wir uns direkt am Ankunftstag überzeugen und wurden nicht enttäuscht. Noch nie haben wir einen Ort betaucht, der solch prachtvolle Riffe bietet, mit gesunden und intakten Korallen und dazu eine so geringe Anzahl an Tauchern. Die Tauchspots eignen sich zudem auch hervorragend zum Schnorcheln und Freitauchen, wovon wir auch nicht genug kriegen konnten. Damit wurden die Riffe zu unserem Place to be für die nächsten Tage ganz nach dem Motto Eat Dive Sleep Repeat. A pro pos Eat: Trotz der einfachen Verhältnisse und der eingeschränkten Versorgungslage auf Atauro wurden wir jeden Tag aufs Neue von unserem Resortkoch verwöhnt. Es gab keine Speisekarte, sondern nur die Wahl zwischen Veggie oder Non-Veggie (auch hier wieder Stichwort Abenteuerlust). Und dennoch: wir haben uns jeden Abend auf eine Überraschung gefreut und wurden nie enttäuscht. Nachdem wir die meiste Zeit unserer Reise auf Atauro verbracht haben, ging es als nächsten nach Dili, in die Hauptstadt, in die Zivilisation, in die Endphase unseres Urlaubs. Das Beste, oh pardon, das Größte stand uns noch bevor. Timor Leste ist eines der wenigen Orte auf dem Planeten, an dem die Sichtungen von Blauwalen nahezu garantiert sind. Jedes Jahr durchqueren sie die Ombai-Wetar-Straße, auf dem Weg zu den Futterplätzen weiter westlich. Und wir sollten dabei sein, einfach unfassbar.

Wir erreichen also morgens den Hafen und verbringen die nächsten Stunden auf dem Boot, patrouillieren auf hoher See, die Augen konzentriert auf den Horizont, auf der Suche nach der unverwechselbaren, nebeligen Fontäne eines Blauwals. Für ein paar Atemzüge kommen die Blauwale schätzungsweise alle 10-20 Minuten an die Oberfläche und verschwinden danach wieder in die Tiefe, um ihre Wanderung fortzuführen. Die große Herausforderung besteht darin, abzuschätzen an welcher Stelle der Blauwal das nächste Mal zum Atmen hochkommt, um anschließend das Boot in eine Position zu manövrieren, dass man als Freitaucher einfach ins Wasser gleitet und der Blauwal einem entgegen schwimmt. Was in der Theorie so unfassbar einfach klingt, hat in der Praxis „nur“ zweimal perfekt funktioniert. An einem Tag sind wir wortwörtlich auf dem Trockenen geblieben, weil die Blauwale besonders fotoscheu waren. Aber das ist die Natur und die Natur kann man nicht planen. Als Taucher muss man allerdings dieses Risiko einplanen, sonst ist man in der Wildnis falsch. An den anderen zwei Tagen gab es mehr Chancen, einen Blauwal unter Wasser zu sehen. So standen wir gefühlt duzende Male in voller Montur, Freitaucherflossen, Maske, Schnorchel und Kamera Equipment, sprungbereit und wartend auf die Worte des Skippers „3 2 1 Go“ oder „Now Jump“. Doch in den meisten Fällen haben wir die Blauwale verloren. Und an solchen Tagen braucht es manchmal noch ein Quäntchen Glück. So kam tatsächlich der Moment, wo wir uns vom Boot ins Wasser gleiten ließen, mit dem Kopf und Oberkörper voran, um den nötigen Schwung mitabzubekommen. Mit fünf motivierten Freitauchern/Schnorchlern wurde um die Wette gepaddelt. Bis der große Moment dann endlich kam, unser Highlight der gesamten Reise; ein ca. 20 m langer Blauwal, der trotz Gemütlichkeit in einem für uns viel zu schnellem Tempo vorbei raste, genauso wie der Moment selbst. Die Begegnung wurde von allen gebührend gefeiert, was man unschwer überhören konnte. Und während wir uns auf dem Boot davon akklimatisierten, kam direkt wieder die nächste Chance. Also wieder rein ins Wasser, wie ein Weltmeister Richtung Blauwal schwimmen und 20 Sekunden lang diesen unfassbaren Anblick auf sich wirken lassen. Wenn es nach uns gegangen wäre, hätten wir das so stundenlang machen können. Aber man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

You may use these <abbr title="HyperText Markup Language">html</abbr> tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*